Gerhard Schröder wirft Arbeitnehmern mangelnde Praxisnähe vor

Ein Artikel aus der WAZ von heute:

Gewerkschaften und SPD befehden sich
Der Streit um den Reformkurs gefährdet zusehends das Bündnis von SPD und Gewerkschaften. Kanzler Schröder warf den Arbeitnehmern mangelnde Praxisnähe vor. Auch SPD-Vize Beck attakierte die Gewerkschaften. DGB-Chef Sommer bezeichnete die Regierungspolitik als unsozial, der Verdi.Vorsitzende Bsirske bezeichnete Schröder als gescheitert.

Arbeitnehmer haben keine Praxisnähe? Wo leben wir eigentlich? Wer arbeitet denn in unserem Land? Wer hat Tag für Tag die Auswirkungen der Agenda 2010 vor Augen? Es sind nunmal größtenteils die Arbeitnehmer. Und die sollen dann keine Praxisnähe haben?

Früher wurde Theoretikern vorgeworfen keine Praxisnähe zu haben. Damit waren Theoretiker gemeint, aber auch viele Politiker fallen darunter. Wer von denen hat denn richtig gearbeitet? Wieviele Arbeiter sitzen denn z.B. im Bundestag? Große Reden können sie schwingen, aber haben sie auch von der Praxis dessen was sie wollen Ahnung? Da kommen Zweifel auf.

Das Deutschland dringend Reformen braucht ist unbestritten, allein über das wie wird gestritten.
Die Deutschen, die Arbeitnehmer, die Gewerkschaften, haben nichts gegen sozial verträgliche Reformen, wenn es sie geben würde. Jemand hat einmal gesagt, wenn zwei jeweils 100 Euro haben kann es nicht sein das beide 10 Euro abgeben. Ist es etwa sozial wenn einer von beiden 20 Euro abgibt, der andere aber nichts? Ja? Finde ich nicht. Bis jetzt haben nur die sozial schwachen Gruppen abgegeben, wann folgen die Besserverdienenden, was ist mit dem geplanten Subventionsabbau?
Hat sich die Bundesregierung von der Wirtschaftslobby wieder eingelullt wie kürzlich mit dem ach so freiwilligen Ausbildungsplatzkonsens? Warum muß es den Konsens eigentlich geben? Weil es seit Jahren immer weniger Ausbildungsplätze gibt. Warum ist das so? Weil die Wirtschaft mit dicken Backen stöhnt und aus Kostengründen ihre eigene Zukunft in Form von Ausbildungsplätzen gekappt hat. Das gut ausgebildete Arbeitnehmer ihre Zukunft sind haben sie nur leider bis heute noch nicht gemerkt.

Abgrund statt ZukunftZurück zum Thema. Genosse Bundeskanzler (mein Vorsitzender bist Du ja zum Glück nicht mehr), warum sind so viele gegen die Art und Weise wie Du Deutschland reformeiren willst? Nur weil wir keine Ahnung haben, keinen Praxisbezug besitzen? Woher willst Du das in Deinem Elfenbeinturm Bundeskanzleramt wissen? Wir müssen die Ungerechtigkeit der unsozialen Reformen ausbaden, Du nicht.
Du hast die Zukunft vor Augen, aber den Abgrund vor Dir. Bedenke wer Dich als Bundeskanzler gewählt hat, Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei. Mache gefälligst eine sozial gerechte Politik, dann wirst Du und die SPD auch wieder gewählt. Mache gefälligst eine sozial gerechte Politik, dann kannst Du auch die Zukunft erreichen, mit den Gewerkschaften die genau das selbe wollen.

Stattdessen allen anderen, die berechtigte Zweifel an Deiner Politik haben, mangelnde Praxisnähe vorzuwerfen ist schlicht und einfach eine bodenlose Frechheit!

Wenn Du sagst, Du könntest keine andere Politik machen, sagen wir Dir, wir müssen keinen Kanzler Schröder haben, es kann auch ein anderer SPD-Bundeskanzler sein.

Der Beitrag wurde am Montag, den 28. Juni 2004 veröffentlicht und wurde unter SPD mit den Tags abgeheftet.
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